Was heißt „dazu gehören“ und wie lassen wir uns von der Meinung anderer Menschen beeinflussen? – Eine Selbstanalyse

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Llamasus schreib bei Drei kleine Lamas:

„Gerade seit ich selbst Mutter bin, erlebe ich, dass es wieder diese Gegenstände, Kleidungsstücke, Meinungen und Verhaltensweisen gibt, die man braucht, um ‚dazu zu gehören‘. „

Danke, Llamasus, für diesen Aufhänger. Ich finde das Thema unglaublich schwierig. Ich bin selbst sehr von Konsum geprägt, das muss ich ganz offen zugeben. Wenn ich nichts zu tun habe, gehe ich in der Stadt bummeln und gucke mir die Auslagen der Läden an. Oder ich surfe stundenlang in irgendwelchen Internet-Shops und suche mir Dinge aus, die ich vermeintlich haben muss. Vom Kaufen kann ich mich meistens abhalten. Ich weiß, dass ich danach ein schlechtes Gewissen hätte, etwas gekauft zu haben, das ich nicht unbedingt bräuchte. Aber immer nur angucken, macht auch nicht glücklich.

„Konsum macht nicht glücklich. So einfach ist das. Ob es nun um etwas Kleines oder um etwas großes geht: Ständig mithalten zu wollen, macht unfrei.“ (Llamasus)

Die üblichen Modeketten lasse ich meistens links liegen, außer ich brauche wirklich etwas. Aber Bastelläden, Haushaltwaren-Geschäfte, Stoffläden und Buchländen ziehen mich magisch an. Dabei entwickeln sich Ideen, was ich alles haben muss. Angesport wird dies auch durch die immer wiederkehrenden Fragen „Was wünschst du dir zum Geburtstag“ und „Was wünschst du dir zu Weihnachten“. Auf die Art habe ich schon Sachen bekommen, die am Anfang schön waren, dann aber kurz darauf in irgendeiner Ecke verstaubten.

Kleidungsstücke sind nicht unbedingt mein Fall, wenn es darum geht, mit anderen mithalten zu wollen. Was allerdings auf jeden Fall wahr ist, ist, dass ich zu bestimmten Anlässen bestimmte Normen erfüllen „muss“. Einige dieser Normen sollte man, wie ich finde, auch besser einhalten, wie zum Beispiel beim Vorstellungsgespräch. Ich will ja nicht meine Chancen nur durch schlechtes Auftreten zunichte machen. Wobei, anscheinend ist der Hosenanzug gar nicht so wichtig. Tino ist bisher auch nicht im Anzug zum Vorstellungsgespräch gegangen und hat die Stellen trotzdem bekommen. Auch zur nächsten Hochzeit hätte ich gern ein neues Kleid gehabt, so wie bei den letzten Hochzeiten. Die Kleider hängen jetzt im Kleiderschrank, ob ich sie nochmal anziehe, ist die große Frage.

Als Jugendliche waren Miss Sixtys Hosen gerade sehr angesagt. Sie gefiehlen mir sehr gut und ich wollte unbedingt eine haben. Sie waren aber auch unglaublich teuer. Und wirklich glücklich hat mich die Hose dann auch nicht gemacht. Irgendwie war sie ziemlich ungequem.

Das dazu gehören wollen bei Kleidung ist so eine Sache. Wie beim Vorstellungsgespräch ist es auch im Alltag so, dass ich nicht negativ bewertet werden will, bevor man mich überhaupt kennen gelernt hat. Aber das ist vermutlich ein Wunschgedanke, der sowieso nicht eintrifft, schließlich bewertet man Leute grundsätzlich zunächst mal aufgrund ihres Aussehens.

Jetzt habe ich eher diesen „Mama, die keine Zeit hat, sich hübsch zu machen“-Stil. Schlabbrige T-Shirts, lange Haare, praktische Jeans und Schuhe, alles ein bisschen von Kinderhänden vermatscht. Generell bin ich mehr ein naturverbundener Typ. In der Abizeitung wurde ich zum Öko der Stufe gewählt. Damals war mir das total unangenehm, heute bin ich ein bisschen stolz drauf.

Und da haben wir es also doch. Anscheinend ist es mir wichtiger, als ich dachte, die „richtige“ Kleidung zu tragen.

Bei Meinungen und Verhaltensweisen bin ich auch eher mehr in der alternativen Szene unterwegs. Wobei das ja auch wieder eine Szene ist, wo bestimmte Meinungen und Verhaltensweisen erwartet werden. Und auch hier gilt, was Llamasus gesagt hat:

Ob es nun um etwas Kleines oder um etwas großes geht: Ständig mithalten zu wollen, macht unfrei.“ (Llamasus)

Oft stelle ich mir die Frage „Was will ich eigentlich wirklich?“. Ich kann nicht alles machen, was mir vorgegeben wird oder was ich irgendwo sehe. Mein Tag ist keine Woche und meine Woche kein Monat.

Ich möchte gern arbeiten, warum das so ist und warum Teilzeitarbeit für mich nicht in Frage kommt, habe ich hier geschrieben.
Damit renne ich gegen den Strom. Viele junge Mütter wollen nicht arbeiten oder, wenn sie arbeiten wollen, dann aber nur in Teilzeit, weil sie mehr Zeit für ihr Kind haben wollen.
Tatsächlich wird auch nicht angenommen, dass ich arbeite. Schließlich habe ich ein kleines Kind und bin schwanger, wie kann es sein, dass ich dazwischen schon wieder fast ein Jahr gearbeitet habe?

Ich möchte dass das Murmeli zu einem gesunden, selbstständigen und verantwortungsbewussten Menschen heranwächst. Gesund soll es sein, das heißt für mich auch, dass es gute Lebensmittel bekommt, damit bin ich wieder voll im Trend. Junge Mütter kaufen Bioobst, Biogemüse, Vollkornnudeln, etc. Dazu gehört auch, dass ich unbedingt stillen wollte. Das hat mich unglaublich viele Nerven gekostet und ich wurde mehrmals angehalten Pre-Nahrung zu geben. Letzen Endes hat es dann doch geklappt. Ob mich das ganze glücklich gemacht hat? Ich weiß es nicht, es wurde irgendwie erwartet, von mir selbst und von meiner Umgebung, dass ich stille. Ich hätte mich als Versager gefühlt, wenn ich es nicht „geschafft“ hätte. Am Anfang hat mich das ganze sogar im Gegenteil sehr gestresst. Ich weiß nicht, ob es in dieser Frage ein richtig oder falsch für mich gegeben hätte. Ich glaube stillen und Fläschchen füttern hätten mich auf ihre Art und Weise unglücklich und glücklich gemacht.

Selbstständig und verantwortungsvoll soll das Murmeli werden. Ich könnte jetzt auf irgendeinen Zug aufspringen, der genau das verspricht. Montessori zum Beispiel hört man jetzt immer häufiger. Es werden hier gerade Schulklassen eingerichtet, auch im Internet kann man viel zum Thema finden. Aber das möchte ich nicht. Die Zwänge, die durch eine gewählte Erziehungsmethode entstehen, möchte ich mir und dem Murmeli ersparen. Was ich mir unter Erziehung vorstelle, dazu schreibe ich lieber ein anderes Mal mehr.

Ich möchte mich meinen Mitmenschen und meiner Umgebung gegenüber verantwortlich „benehmen“. Das heißt auch, dass ich voll auf den Zug aufgesprungen bin, der möchte, dass wir Plastik vermeiden. Ich versuche im Allgemeinen Müll zu vermeiden und Verpackungen. Darüber muss ich auch mal irgendwann schreiben, dieser Beitrag wird zu lang.

Im Zuge der Müllvermeidung bleibt es allerdings nicht aus, einige Sachen selbst zu machen. Das ist etwas, das ich eigentlich nicht so unbedingt machen muss. Aber wenn ich keinen Joghurt im Laden kaufen kann, dann muss ich ihn selbst machen. Darauf verzichten will ich nämlich nicht. Und das selber machen ist auch gerade ein großer Trend. Also bin ich auch da aufgesprungen.

Ich befürchte also, dass ich der totale Mitläufer bin. Auch, wenn das nicht für die Massenbewegung mit dauerhafter Fernsehbeschallung, billigen Lebensmitteln aus dem Supermarkt und einer Alles-Egal-Einstellung gilt. Trotzdem habe ich mich unbewusst einer Bewegung angeschlossen, auch wenn das noch eine kleinere Gruppe von Menschen ist. Der Bewegung, die auf natürliche Materialien achtet, versucht ökologisch und gesund zu leben und versucht ihre Kinder in diesem Sinne zu erziehen. Außerdem der Bewegung, die versucht sich vom Konsum loszulösen, sei es vom Medienkonsum oder vom Kaufkonsum.

Ich könnte mich noch vielen Dingen anschließen, die ich für wichtig oder gut oder schön halte. Meine Kleidung würde ich gern selbst machen, aber ich kann nicht nähen und ich wüsste nicht, wann ich das tun sollte. Scrapbooking gefällt mir sehr. Innendesign auch. Die vielen kleinen bunten Basteleien, die man jetzt überall sieht. Keine Zeit für sowas. Und ich würde mir wieder jede Menge Material kaufen, das dann am Ende verstauben würde. Politik interessiert mich grundsätzlich, es gibt Themen, die mir wichtig sind und die ich gern unterstützen würde. Auch dieses werde ich nicht tun.

„Ein wirklich beindruckender Mann sagte mal zu mir: ‚Ich suche nicht die Sympathie und die Zuneigung anderer.'“ (Llamasus)

Ein Satz, der wirklich beeindruckend ist. Ich suche diese Zuneigung, immer! Nicht gerade aller Menschen, aber der Menschen, die ich gern habe. Die Zuneigung der Menschen, die ich bewundere. Ich kann nicht glauben, dass ein Mensch nicht die Sympathie und Zuneigung anderer sucht. Höchstens, falls er ein Einsiedler ist.

2 Kommentare zu “Was heißt „dazu gehören“ und wie lassen wir uns von der Meinung anderer Menschen beeinflussen? – Eine Selbstanalyse

  1. Toller Artikel, TinkaBell – und schön, dass ich dich inspirieren konnte.
    Über das Thema denke ich schon etwas länger nach und immer wieder neu.

    Liebe Grüße Lamasus

    • Danke. Auch für den ersten Kommentar hier!

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