Archiv für den Monat: September 2014

Minimalismus, Entschleunigung, Achtsamkeit?

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Das sind für mich drei Begriffe, die gerade total in Mode sind. Für mich hieß Minimalismus, dass man möglichst wenig besitzt. Man hat zum Beispiel einen Kindle, damit man nicht so viele Bücher im Regal stehen hat. Man hat einen IPod, damit man keine CDs braucht. Alles, damit man möglichst nichts herumstehen hat. Das waren so die Ansätze, die ich meistens irgendwo gelesen hatte. Aber, dadurch hat man ja nicht wirklich weniger, man hat es nur in einer anderen Form. Und ich finde Lesen am Bildschirm wesentlich anstrengender, als auf Papier. Außerdem will ich mich nicht immer vollständig von Technik umgeben. Und wenn ich keine Bücher mehr im Regal stehen habe, dann weiß ich am Ende überhaupt nicht mehr, welche Bücher ich eigentlich habe! Also habe ich das ganze als zwar einen ganz netten Ansatz angesehen, aber ansonsten für mich als nicht erstrebenswert betrachtet.

Entschleunigung und Achtsamkeit kommen meist im Doppelpack. Achtsamkeit, was heißt denn das? Darunter kann ich mir immer noch nicht so richtig etwas vorstellen. Entschleunigung? Das hieß für mich, dass man weniger macht, nicht dauernd Terminen hinterher rennt. Nur habe ich selbst eigentlich kaum Termine. Trotzdem habe ich kaum Zeit für irgendwas und Termine wären da nochmal weniger förderlich. Und ich denke, dass ich, in dieser neuen Stadt, eigentlich dringend Zeit für einen Verein oder ähnliches brauchen könnte, damit ich mehr Kontakt zu den Menschen hier bekomme.

Das führt mich zu einem Blogbeitrag von Maria auf Widerstand ist zweckmäßig.

Tatsächlich hat mich dieser Absatz ziemlich gut beschrieben:

Das Stichwort heißt Entschleunigung

Oft sind wir Getriebene. Wenn wir noch sitzen, dann machen wir uns gedanklich schon auf den Weg und wenn wir am Weg sind, dann denken wir schon an das Ziel und wenn wir das Ziel erreicht haben, dann sind unsere Gedanken schon bei der Auswahl der nächsten Ziele.

In Wahrheit verpassen wir aber genau mit diesem Verhalten den Moment, in dem sich gerade unser Leben abspielt. Ich glaube, dass ein Teil der Sinnentleertheit unserer Zeit genau aus diesem Phänomen heraus entsteht. Es ist schwer den Moment zu genießen, wenn ich in Gedanken ganz wo anders bin. (Maria auf „Widerstand ist zweckmäßig“)

Wenn ich Zeit habe oder in den letzten Jahren Zeit dazu hatte, um über mein Leben nachzudenken, dann fällt mir vor allem auf, dass ich nicht in der Lage bin, Augenblicke zu genießen. In den letzten Jahren habe ich verlernt, einfach mal nichts zu tun. Wenn ich keinen Termin habe, dann werde ich unruhig. Ich muss mir etwas zu tun suchen. Und es gibt ja auch immer unzählige Sachen zu machen. Ein großes Haus macht viel Arbeit, kleine Kinder auch.

Ich habe mir schon häufiger vorgeworfen, dass ich, wenn ich mit dem Murmeli mal etwas spiele, mit den Gedanken immer schon bei der nächsten Sache bin, die zu erledigen ist. Wenn das Murmeli mir etwas am Straßenrand zeigt, dann habe ich im Kopf, dass ich den Bus erreichen möchte. Wenn ich beim Kochen oder Aufräumen bin und das Murmeli mir etwas zeigen möchte, dann habe ich oft „keine Zeit“, um ihm die Aufmerksamkeit zu schenken, die ich ihm eigentlich schenken möchte (obwohl vielleicht gerade nichts anbrennen kann).

Ständig bin ich in Gedanken schon beim nächsten Schritt. Und das ist schrecklich! Ich fühle mich dabei so unwohl! Die Murmeli-Beispiele sind nur ein paar Beispiele, es gibt unzählige Situationen, wo ich geistig schon nicht mehr anwesend bin. Eine Weile war ich nicht mal mehr in der Lage, ein Gespräch zu führen und meinem Gegenüber wirklich zuzuhören (Ich glaube, das hat sich ein bisschen gebessert, aber gut ist es noch lang nicht).

Gleichzeitig gebe ich wirklich gern Sachen weg. Ich scheine zu merken, dass ich viel zu viele Sachen besitze. In dem Zusammenhang stellt sich mir gerade die Frage, ob ich die Sachen besitze oder die Sachen mich. Überhaupt ist Ausmisten eine Sache, die ich ganz gut kann. Als Kind habe ich Sachen, wo ich mir nicht 100% sicher war, dass ich sie weg tun wollte, kaputt gemacht und in den Müll geworfen, damit ich nicht auf die Idee gekommen bin, sie wieder rauszuholen (Stickeralben, Diddel-Blöcke, … was man als Kind nicht alles so gesammelt hat)

Mit Vorliebe sortiere ich alte Bücher aus. Die meisten davon habe ich gelesen und werde sie nicht noch einmal lesen. Mittlerweile versuche ich Bücher, die mich interessieren, in der Bücherei auszuleihen. Wenn ich Bücher mehrmals lesen möchte, kann ich sie mir immer noch kaufen. Meistens lese ich aber Sachbücher, die ich dann nicht mehrmals lesen möchte.

Bücher, das ist so ein Thema für sich. Ich habe Bücher geliebt! Ich konnte stundenlang lesen, was genau war eigentlich egal. Jetzt kann mich kaum ein Buch so fesseln, dass ich es bis zur Hälfte schaffe, bevor ich es weglege. „Was ist da los?“, frage ich mich.

Am liebsten würde ich auch Tinos Sachen aussortieren, Tino ist ein Sammler. Er kauft auch Sachen, die wir schon haben, nur weil die Aufmachung „schöner“ ist. Aber das sind ja nicht meine Sachen. Ich habe nur Angst, dass wenn ich zu viel von meinen Sachen aussortiere, am Ende nichts von mir bleibt und trotzdem alles vollgestopft ist. Das würde mich auch wieder unzufrieden machen.

Vielleicht muss ich die Begriffe für mich neu definieren.

Kategorie: Allgemein